Ein Musikinstrument verlernen oder aus der Übung kommen kann frustrierend sein
Ein Musikinstrument spielen

Verlernen beim Musizieren: Wie du deinen Frust in Akzeptanz umwandelst

5. Februar 2018

Wenn wir etwas lernen, dann erfüllt uns das mit Stolz, Freude und Motivation. Wenn wir aber etwas nicht mehr können, was wir schon einmal konnten, dann ist das frustrierend und demotivierend. Sogar noch schlimmer, als wenn wir etwas noch nie konnten. Kennst du das auch?

Verlernen, vergessen, aus der Übung kommen. Das ist in allen Bereichen präsent, ob gelerntes Wissen aus der Schule, dem Studium, eine Fremdsprache oder nicht mehr angewendetes Fachwissen im Job. Beim Sport lassen Kraft und Beweglichkeit schnell nach, wenn du nicht mehr trainierst.

Und auch beim Musizieren kommst du aus der Übung, wenn du längere Zeit nicht mehr spielst oder ein bestimmtes Stück nicht mehr spielst. Vielleicht hast du dir ein Stück über Wochen oder Monate erarbeitet bis du es nahezu perfekt konntest. Aber nach einiger Zeit ohne ständige Wiederholung kriegst du das Stück dann nicht mehr wirklich gut auf die Reihe. Das Verlernen offenbart sich beim Musizieren also nicht nur bei einer längeren Pause mit deinem Instrument. Es ist das ganz normale Tagesgeschäft beim Üben.

Leider kannst du nur wenig gegen das Verlernen tun. Diesbezüglichen Frust kriegst du am besten los, wenn du das Verlernen akzeptierst, statt es zu verdonnern. Die Psychologie hilft dir!

Vielleicht tröstet es dich auch ein wenig, wenn ich dir sage: Verlernen ist menschlich, völlig normal. Du bist damit nicht allein!

Verlernen beim Musizieren ist normal, kein Grund für Frustration.

Auch wenn Anfänger das Verlernen oft deutlicher spüren, weil sie noch keinen großen Grundstock verinnerlicht haben: Das Verlernen betrifft Anfänger und fortgeschrittene Spieler gleichermaßen. Denn jeder hat, eben auf seinem eigenen Spielniveau, Stücke, die er nicht aus dem Ärmel schüttelt, sondern die eine Herausforderung darstellen.

Du verlernst, aber nie 100 %

Ja, wir verlernen viel. Sehr viel! Aber nie alles. Gerade beim Musizieren, wo nicht alles in unserem Hirn gespeichert ist wie auswendig gelerntes Schulwissen, sondern im motorischen Gedächtnis der Finger.

Wenn du länger als vielleicht ein paar Wochen lang ein Musikinstrument gespielt hast, dann kann dir das keiner mehr nehmen. Nicht zu 100 %!

Trotz Rückschritt verlernst du mit deinem Musikinstrument nie alles.Selbst wenn du ein paar Jahre lang nicht mehr auf deinem Instrument gespielt hast, wirst du noch etwas können. Oder du wirst ziemlich schnell wieder hineinfinden. Du wirst auf keinen Fall wieder bei Null wie ein blutiger Anfänger beginnen.

Ähnlich ist es bei einem Stück, das du intensiv geübt hast und nach längerer Zeit einmal wieder hervorkramst. Du wirst das Stück nicht mehr draufhaben wie damals. Aber du wirst merken, dass du das Stück schon einmal geübt hast. Es wird dir selbst nach langer Zeit immer noch deutlich leichter fallen als ein völlig unbekanntes Stück!

Tipps für einen positiven Umgang mit dem Verlernen beim Musizieren

Was kannst du tun, um das Verlernen als weniger frustrierend zu empfinden?

Unbedarfter Wiedereinstieg

Wenn du nach längerer Zeit wieder anfängst mit deinem Musikinstrument oder wenn du auch einfach ein bestimmtes Stück wiederaufnimmst, dann erwarte nicht, dass du es kannst.

Taste dich ganz unbedarft heran und tu so, als wäre es etwas ganz Neues. Ganz langsam. Auf diese Weise wirst du nicht enttäuscht sein, weil du etwas nicht mehr kannst, sondern positiv überrascht, weil du doch noch etwas kannst!

Bewusstsein für das motorische Gedächtnis stärken

Werde dir bewusst, dass es einen Unterschied macht, ob du ein Stück schon einmal gut spielen konntest oder noch nie gespielt hast. Nimm dir zwei etwa gleich schwere Stücke, ein unbekanntes und ein vor längerer Zeit ausgiebig geübtes. Spiele beide Stücke spontan, gerne auch zwei- oder dreimal. Beobachte dich dabei!

Motorisches Gedächtnis beim Spielen eines Musikinstrumentes.

Mit Sicherheit wird dir das Stück, das du schon einmal geübt hattest, deutlich leichter fallen! Auch wenn es ein ganzes Jahr oder noch viel länger zurückliegt. Du wirst das Stück immer noch gut im Ohr haben und nicht alle Noten exakt lesen müssen. Einiges funktioniert einfach automatisiert, weil es immer noch in deinem motorischen Gedächtnis gespeichert ist. Faszinierend, oder?

Denken bringt dich hier übrigens nicht weiter. Wenn du in diesem Fall anfängst zu denken, anstatt die Finger machen zu lassen, funktioniert es nicht mehr. Das ist eine verblüffende, aber auch unglaublich tolle Erfahrung. Wo wir doch heutzutage ständig gesagt bekommen, dass wir am weitesten kommen, wenn wir unser Hirn einschalten und denken!

Trotz allem Verlernen auf deinem Musikinstrument wird es dir helfen, wenn du positiv damit umgehst. Anstatt dich darüber zu ärgern, dass du schwierige Stellen nicht mehr spielen kannst oder du es in einem schnellen Tempo nicht mehr hinbekommst, mach dir lieber bewusst, was in dir gespeichert geblieben ist.

Verlernen verhindern verhindert Neues zu lernen

Wenn du ein Instrument oder ein einzelnes Stück nicht verlernen möchtest, dann müsstest du es ständig üben. Willst du also alles Eingeübte behalten, hält es dich davon ab, etwas Neues zu lernen.

Mit ein paar deiner Lieblingsstücke wird es sicherlich funktionieren, diese auf einem guten Level zu halten. Aber du wirst nicht alles, was du einmal konntest, halten können. Sonst würdest du nur noch dauernd bereits gelernte Stücke wiederholen. Wäre doch irgendwie langweilig, oder nicht?

Akzeptanz für das Verlernen beim Musikmachen fördern

Verlernen ist wie verlieren. Ein Verlieren von (manchmal hart) erarbeiteten Fähigkeiten. Und das tut weh. Aber nur, wenn du dir davon wehtun lässt. Nicht, wenn du loslässt.

Musizieren und Psychologie: Das Verlernen beim Musikmachen akzeptieren.

Akzeptiere das Verlernen und sieh nicht nur den Verlust, sondern auch den Gewinn. Was hast du gewonnen, wenn du dir beispielsweise ein neues Stück richtig gut erarbeitet hast?

1. Du hattest deinen Spaß damit, es problemlos spielen zu können. Ja, du hast richtig gelesen, schätze auch den Spaß, den du hattest, auch wenn du ihn jetzt nicht mehr hast!

2. Bei jedem Stück lernst du etwas dazu, d. h. dein allgemeines Level verbessert sich. Und das hilft dir nach und nach, die nächsten Stücke schneller zu erarbeiten.

3. Ein Stück, das du dir einmal intensiv erarbeitet hast, wirst du später gut wiederaufnehmen können. Denn du weißt ganz genau, wie es klingt, und auch deine Finger werden sich daran erinnern.

Und denke immer daran, alles hat seine Zeit. Ob ein bestimmtes Stück, ein Musikinstrument oder etwas ganz anderes im Leben. Wer zu sehr an Altem festhält, kann nichts Neues erleben!

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