Klavierspiel zu sechs oder acht Händen.
Ein Musikinstrument spielen

Sechs- und achthändiges Klavierspiel: Riesenspaß zu dritt oder viert an einem Klavier

28. Juli 2018

Wenn du alleine Klavier spielst, kannst du maximal zweihändig spielen. Zu zweit geht es auch vierhändig. Zu dritt sechshändig. Zu viert…? Aber halt! Geht das denn wirklich? Ja! Hier berichte ich dir von meinen Erfahrungen mit sechs- und achthändigem Klavierspiel. Also drei bis vier Spielern an einem einzigen Klavier!

Gibt es überhaupt Noten dafür? Ja, die gibt es. Sogar in der Musikbibliothek. Für Gruppenunterricht sind solche Notensätze natürlich bestens geeignet. Allerdings ist diese Unterrichtsform für das Instrument Klavier eher ineffektiv und daher wenig verbreitet.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wirst du also das Klavierspielen zu dritt oder viert an einem Klavier nicht kennen. Ein Piano Club eignet sich bestens für solche Experimente, da hier ausreichend viele und außerdem experimentierfreudige Klavierspieler zu finden sind.

So haben wir es im Hamburger Piano Club ausprobiert. Nach dem zunächst vierhändigen Spiel haben wir uns gesteigert und uns auch ans sechs- und sogar achthändige Spiel gewagt. Was sind dabei die größten Herausforderungen? Was ist das Spannende daran? Das alles erfährst du jetzt.

Herausforderungen beim sechs- und achthändigen Klavierspiel

Auch wenn der einzelne Spieler gar nicht so viel zu spielen hat, bietet beim sechs- und achthändigen Klavierspiel die ungewohnte Spielformation einige Herausforderungen, die es zu meistern gilt.

Herausforderungen beim Klavierspiel zu dritt oder viert an einem Klavier.

Orientierung im Notenbild

Bei drei Spielern sind es sechs Notenzeilen, bei vier Spielern acht. Wenn diese alle untereinander stehen, wird das leicht etwas unübersichtlich. Spätestens beim Zeilen- oder Seitenwechsel verlierst du schnell die Orientierung und verrutschst in der Zeile. Für das sechshändige Spiel geht das gerade noch, angenehmer ist es aber auch hier schon, wenn jeder Spieler seine eigene Stimme extra bekommt.

Beim vierhändigen Klavierspiel wird das ja sogar meistens so notiert. Es bietet sich schließlich auch einfach an, die Noten für den ersten Spieler auf die rechte Seite und die für den zweiten auf die linke zu schreiben.

Beim sechshändigen Spiel ist das aber nicht so einfach möglich. Denn ein aufgeschlagenes Buch hat nun einmal nur zwei Seiten und keine drei! Die Spielparts lassen sich also nicht einfach so trennen und trotzdem in einem normalen Buch zusammenfassen. Dafür muss eine dritte Seite ausgeklappt werden können oder die Noten müssen kopiert werden. Oder es gibt für jeden Spieler ein extra Heft.

Ab vier Spielern ist eine übersichtliche Notation wirklich dringend zu wünschen. Denn bei acht Zeilen untereinander verliert man wirklich sehr leicht den Überblick. Die Noten werden sehr klein und man muss trotzdem noch dauernd umblättern und seine beiden Notenzeilen ständig suchen. Außerdem müssten die äußeren Spieler sehr weit nach innen zu den Noten schauen. Das alles würde das Spiel wirklich unangenehm machen.

Aber zum Glück sehen Notenbuchverlage das genauso! Es gibt für sechs- und achthändiges Klavierspiel tatsächlich Notenbücher mit herausnehmbaren Noten für verschiedene Spieler. Am Ende des Artikels findest du ein Notenbuch, bei dem das so umgesetzt ist.

Orientierung in den Oktaven

Auch wenn Stücke sehr einfach gesetzt sind, sind sie beim sechs- und achthändigen Spiel, insbesondere beim spontanen Vom-Blatt-Spiel, oft ziemlich fordernd. Warum? Ein Klavierspieler fühlt sich am wohlsten mit der rechten Hand im Violinschlüssel und der linken im Bassschlüssel. Dies trifft beim sechshändigen Spiel aber nur auf den mittleren Spieler zu, beim achthändigen vielleicht auf gar keinen.

Hier befinden sich bei den meisten Spielern beide Hände im Violinschlüssel oder beide im Bassschlüssel. Die Noten sind entweder sehr hoch oder sehr tief gesetzt. Oder eine kleine Acht kennzeichnet die Oktavverschiebung. Die Noten sind so zwar leichter lesbar, aber dafür nicht mehr so leicht der richtigen Oktave zuzuordnen.

Was zweihändig gut machbar ist, führt in einer derartigen Gruppenformation leicht zur Verwirrung. Man verliert die Orientierung für die Mitte, also den normalen Sitzplatz eines Solopianisten, und fragt sich des Öfteren planlos, in welcher Oktave man nun eigentlich zu spielen hat. Extrem ist das bei den äußeren Spielern, die sich in den weiten Außengebieten der Klaviatur bewegen, aber direkt davor sitzen!

Enge Platzierung vor dem Klavier

Haben die vielen Spieler an einem einzigen Klavier denn überhaupt Platz zum Sitzen und für ihre Hände? Bei erwachsenen Personen kann es zugegebenermaßen etwas eng werden. Noch nicht so sehr beim sechshändigen Spiel, aber beim achthändigen dann schon.

Hier rücken die äußeren Spieler den inneren zu Leibe, um an ihre Tasten zu kommen. Trotzdem kann es allerdings passieren, dass die äußeren Spieler ihre Arme etwas schräg halten müssen. Aber auch so kann man gemeinsam spielen! Und mit einer Bank statt einzelnen Stühlen ist hier sicherlich auch noch Optimierungspotential!

Die Hände müssen beim vielhändigen Spiel keine weiten Wege machen. Wenn jeder wie aufgeschrieben in seinem Bereich bleibt, funktioniert es auch. Man kommt sich höchstens dann in die Quere, wenn sich jemand nicht an die Noten hält und ein Spieler eine Taste spielen will, die ein anderer fälschlicherweise noch festhält.

Die Vorzüge des sechs- und achthändigen Klavierspiels

Jetzt aber weg von der beschwerlichen hin zur schönen Seite des sechs- oder achthändigen Klavierspiels. Was kannst du dabei lernen, was genau ist so toll daran?

Mit sechshändigem und achthändigem Klavierspiel den Horizont erweitern.

Den Horizont erweitern

Zu dritt oder zu viert an einem Klavier zu spielen ist für die meisten Pianisten eine neue Erfahrung. Allein deshalb lohnt es sich, sechs- und achthändiges Klavierspiel auszuprobieren. Es wird anfangs ungewohnt für dich sein. Aber du wirst feststellen, dass es funktioniert. Damit erweiterst du deinen Horizont!

Unglaublicher gemeinschaftlicher Spaß

Man kann vom sechs- oder achthändigen Spiel halten, was man will. Unfug? Albern? Einfach unnötig, weil man die Noten ja eigentlich auch auf zwei Spieler verteilen könnte und vermutlich schneller zu einem geordneten Ergebnis käme? Wie auch immer, jedenfalls ist dir eines sicher: Ein unglaublicher Spaß! Unser Experiment im Piano Club hat gezeigt, dass nirgends so viel gelacht wurde wie beim gemeinsamen Spiel.

Sechs- und achthändiges Klavierspiel ist ein Gemeinschaftserlebnis. Es ist schön, zusammen zu musizieren. Und einfach toll, dass dafür ein einziges Instrument ausreicht.

Lernfortschritt für Allrounder

Beim sechs- und achthändigen Klavierspiel werden den Händen andere Aufgaben zugeteilt. Zum Beispiel wird der Bass auf die beiden Hände des tiefsten Spielers aufgeteilt. Mit der rechten Hand Bass spielen? Das ist ein Klavierspieler nicht gewohnt! Das Spielen zu dritt oder viert fördert auf diese Weise durchaus deine koordinativen Fähigkeiten, indem du abseits deiner gewohnten Muster spielst.

Außerdem übst du, auch in entfernten Oktaven und aus ungewohnten Sitzpositionen heraus zu spielen. Das brauchst du zwar nicht zwingend für den normalen Spielalltag, wer aber ein Allrounder am Klavier sein möchte, sollte auch damit zurechtkommen!

Notenbuchempfehlung für Klavier zu sechs und acht Händen

Wer einfach gesetzte Stücke zu sechs und acht Händen an einem Klavier sucht, dem empfehle ich das Notenbuch Tastenspaß für drei bis vier Spieler. Hier werden die Noten im Buch selbst für alle Spieler untereinander dargestellt. Zusätzlich gibt es aber noch zwei herausnehmbare Hefte.

In einem sind die Noten für Spieler 1 und 2, getrennt auf jeweils rechter und linker Seite aufgeschrieben. Im anderen finden sich die Noten für den dritten und gegebenenfalls vierten Spieler. Durch die beiliegenden Hefte kann jeder gut seine Noten sehen und wird nicht durch die vielen anderen Zeilen abgelenkt.

Das Notenbuch Tastenspaß für drei bis vier Spieler enthält bekannte Stücke, wie beispielsweise Amazing Graze, Offenbachs Cancan oder Bruder Jakob. Der Hamburger Piano Club hatte damit in der Tat einen großen Tastenspaß!

Wer die Möglichkeit hat, genügend Klavierspieler zusammenzubringen, der sollte das sechs- und achthändige Klavierspiel unbedingt ausprobieren. Dabei ist nicht entscheidend, wie schwer die Stücke sind. Wichtiger ist das Potential für einen Riesenspaß! Und wer weiß, vielleicht ist bei acht Händen ja auch noch nicht Schluss?

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