Vorspielen in der Musikschule oder lieber nicht?
Ein Musikinstrument spielen

Vorspielen mit deinem Musikinstrument: Ja oder nein?

21. März 2018

Wer in einer Musikschule ein Instrument spielt, der wird über kurz oder lang die Frage nach dem Vorspielen gestellt bekommen. Für den einen ist es ein tolles Angebot, für den anderen eine nervige Angelegenheit. Es gibt beim Vorspielen kein generelles Falsch oder Richtig. Du solltest aber für dich persönlich herausfinden, womit du dich wohl fühlst.

Die Vorspielfrage, ein Dauerbrenner in jeder Musikschule

Mit deinem Musikinstrument vorspielen oder nicht? Das ist hier die Frage! Egal, ob du Klavier, Gitarre, Geige oder irgendein anderes Instrument im Musikunterricht lernst, du wirst an einer Beantwortung dieser Frage nicht vorbeikommen.

Vorspielen oder nicht vorspielen hat beides seine Vor‐ und Nachteile. Vorspielen kann Angst und Aufregung bewirken, aber auch Freude und Stolz hervorrufen. Oder auch alles zusammen. Ein guter Grund also, um das Thema Vorspielen mit einem Musikinstrument einmal genauer zu beleuchten.

Im Folgenden stelle ich dir vor, was du durch Vorspielen auf deinem Musikinstrument gewinnen, aber auch verlieren kannst.

Erfahrungsgemäß haben es die, die zum Vorspielen Nein sagen, schwerer als die, die Ja sagen. Denn in Musikschulen wird ein Nein leider nicht immer ohne Weiteres akzeptiert. Dort werden dir nur die Vorteile des Vorspielens angepriesen. Aus diesem Grund sind in diesem Artikel die Argumente für ein Nein etwas umfassender ausgeführt. Denn zu dieser Sichtweise wirst du woanders leider kaum etwas erfahren!

Die Entscheidung, ob du vorspielen möchtest oder nicht, musst am Ende du für dich selbst treffen. Lass dich von niemandem in die eine oder andere Richtung drängen! Auch ich möchte dir lediglich die beiden Situationen schildern und dir keine Empfehlung geben. Aber vielleicht merkst du beim Lesen, mit welchen Argumenten du dich besser identifizieren kannst.

Vorspielen trotz Angst und Nervosität

Warum du vorspielen solltest:

Du übst Stücke, bis du sie perfekt kannst

Wenn du ein Stück vorspielen willst, dann übst du es so intensiv, bis du es richtig gut kannst. Jede mögliche Stolperstelle wird so lange geübt, bis sie keine mehr ist. In die musikalische Gestaltung wird noch mehr Energie gesteckt als sonst. An diesem Stück wird gefeilt und geschliffen.

Du setzt dich mit dem Stück für dein Vorspiel intensiv auseinander, lernst es in‐ und auswendig kennen und verstehst es von Grund auf. Meist kannst du es am Ende sogar teilweise oder ganz auswendig spielen. Für ein Vorspiel zu üben fördert in hohem Maße ein präzises Spiel, du wirst große Fortschritte mit deinem Instrument machen. Das Ergebnis kann sich dann auch hören lassen. Und darauf darfst du stolz sein!

Motivation für das Spielen deines Musikinstrumentes

Das Vorspielen kann eine große Motivation für dich sein. Du hast ein festes Ziel, für dessen Erreichen schließlich auch ein konkreter Termin feststeht. Bis zu diesem Termin willst du das Stück sicher spielen können. Du hast einen Plan. Und es ist keine Abmachung, die du nur mit dir selbst getroffen hast. Damit hat dein Ziel einen verbindlicheren Charakter und du wirst es nicht so leicht wieder über Bord werfen.

Vielleicht bist du sonst eher übefaul, wenn du weißt, dass sowieso nur du selbst es zu hören bekommen wirst. Für viele Menschen ist es ein unglaublicher Antrieb, das Erarbeitete anderen präsentieren zu dürfen. Auch wenn es manchmal eine gewisse Überwindung kostet. Am Ende sind sie stolz darauf, es gibt ihnen das glückselige Gefühl, etwas geleistet zu haben. Und die Motivation, weiter zu üben, auch wenn es oft einige Mühe und Durchhaltevermögen kostet. Findest du dich darin wieder?

Anerkennung von anderen Menschen

Beim Vorspielen zeigst du anderen Menschen, was du kannst. Bei einem Wettbewerb wie Jugend musiziert werden Preise vergeben, bei einem einfachen Vorspiel wird dir Anerkennung durch den Applaus des Publikums zuteil. Oder wenn du womöglich auf (semi-)professionellem Niveau spielst, springt für dich vielleicht sogar etwas Geld bei der Sache heraus. Das Vorspielen gibt dir also die Möglichkeit, die Lorbeeren für deine investierte Zeit und deine Ausdauer zu ernten.

Anspannung beim Vorspielen

Für die meisten Menschen ist ein Vorspiel vor Publikum nervenaufreibend, mit Aufregung und Angst verbunden. Für dich auch? Vielleicht bist du das Vorspielen einfach nicht gewohnt und deine Anspannung nimmt mit etwas mehr Vorspieltraining ab. Was sich am Anfang wie ein Sprung ins kalte Wasser anfühlt, kann sich mit etwas mehr Routine in einen gut geheizten Swimmingpool wandeln, in dem du dich schon viel wohler fühlst.

Wenn bei allem Vorspielstress und aller Nervosität immer auch etwas Vorfreude dabei ist, dann solltest du mit deinem Instrument vorspielen! Du hast gute Chancen, dass deine Freude am Vorspielen weiter wächst, wenn deine Anspannung nachlässt. Und du wächst persönlich, indem du lernst, mit einer Vortragssituation umzugehen.

Freude am Musizieren

Vorspielen kann dir also einiges geben. Lernfortschritt, Motivation, ein perfekt eingeübtes Stück und Anerkennung. Auf deine Leistung und deinen Mut, das Stück einem Publikum vorzutragen, darfst du stolz sein. Du hast ein Ziel und erfährst ein freudiges, erfüllendes Gefühl, wenn du darauf hinarbeitest und es schließlich erreichst.

Gibt das Vorspielen deinem Musizieren einen Sinn oder eine gewisse Würze, ohne die es für dich irgendwie langweilig wäre? Dann nutze die Chance und spiele mit deinem Musikinstrument vor!

Musizieren in der Musikschule ohne Vorspielen

Warum du nicht vorspielen solltest:

Du übst Stücke, bis du sie perfekt kannst

Wenn du ein Stück vorspielen möchtest, übst du es so lange, bis es dir wahrscheinlich selbst nicht mehr gefällt. Und darüber hinaus. Du kannst das Stück schon nicht mehr hören, kannst es nicht mehr genießen, „musst“ es aber trotzdem bis zum Vorspiel weiter üben. Musikgenuss und freudiges Musizieren hören sich anders an!

Wenn du außerdem jedes Stück vorspielfertig übst, bleibt kaum Zeit für andere Experimente mit deinem Musikinstrument, z. B. Improvisieren oder spontanes Vom‐Blatt‐Spielen. Nicht selten sind Hobbymusiker, die Stücke immer vorspielfertig einüben, sehr schlechte Notenleser und wenig spontan!

Deinen Horizont erweiterst du eher, wenn du dich nicht zu sehr auf ein Stück fokussierst, sondern verschiedene Stücke und Herausforderungen ausprobierst. Fortschritte mit deinem Instrument machst du auch ohne Vorspielen!

Motivation für das Spielen deines Musikinstrumentes

Vorspielen beeinflusst die Motivation. Doch nicht immer nur in eine Richtung. Nicht bei jedem fördert Vorspielen die Motivation. Vorspielen kann dich auch demotivieren. Denn es verursacht einen gewissen Stress, der nicht immer auch eine positive, sinnvoll antreibende Komponente enthält.

Oft ist er zu 100 % negativ, manche Menschen empfinden das Vorspielen lediglich als Last. Als einen Druck, das Stück auch wirklich fehlerfrei und schön vorzutragen. Sie stellen durch das Vorspiel Erwartungen an sich selbst, die sie nicht erfüllen können, und sind dann enttäuscht. Ohne Vorspiel wären sie mit dem, was sie können, längst zufrieden.

Wenn du dich kein bisschen darauf freust, dich mit deinem Stück anderen zu präsentieren, sondern nur negativen Stress empfindest, dann verdirbst du dir mit dem Vorspielen deine Freude am Musizieren. Lass die Finger davon! Zwing dich nicht dazu! Und lass dir von niemandem einreden, dass du aus welchem Grund auch immer vorspielen musst.

So manche Leute haben einst an Jugend musiziert teilgenommen, haben immer diszipliniert bis zur Perfektion geübt und Preise gewonnen. Als Erwachsene haben sie aber keine Lust mehr, weil für sie das Musizieren immer mit Druck verbunden war und sie es als harte Anstrengung und nie als Wohltat empfunden haben. Schade! Ich wünsche dir sehr, dass es bei dir anders läuft!

Anerkennung von anderen Menschen

Nicht jeder Hobbymusiker braucht Preise oder den Applaus bei einem Vorspiel. Die Anerkennung deines Publikums ist ohnehin oft einfach nur gut gemeint und nicht ehrlich respektvoll. In einem Musikschulvorspiel wirst du kaum Buhrufe bekommen. Dein Publikum wird brav klatschen. Aber vielleicht fragt es sich auch, wann du endlich fertig gespielt hast und es aufstehen darf!

In einem standardmäßigen Musikschulvorspiel sitzen in der Regel nur Verwandte und Bekannte aller Vorspielenden. Deine Zuhörer interessieren sich eigentlich nur für denjenigen, für den sie gekommen sind. Kaum einer für dich. Frage dich also, wie viel dir die Anerkennung von anderen Menschen bedeutet, sowohl grundsätzlich als vor allem auch diese Art von Anerkennung.

Und mach dir bewusst, dass ein Vorspiel, wie es z. B. in Musikschulen üblich ist, nicht die einzige Möglichkeit für Lob und Anerkennung bietet. Du kannst dich beispielsweise auch in gleicher Weise über ein Lob von deinem Musiklehrer oder deiner -lehrerin freuen. Oder über Komplimente und unerwarteten Applaus bei einem spontanen Spiel in der Öffentlichkeit. Ganz ohne ein von vornherein dasitzendes Publikum.

Anspannung beim Vorspielen

Bestimmt hast du schon oft gehört und (auch in diesem Artikel) gelesen: Die Anspannung lässt nach, wenn man das Vorspielen immer wieder trainiert. Mit der Zeit gewöhnst du dich daran!

Aber dir sollte auch klar sein, dass das erstens nicht für jeden gilt und du dich zweitens entscheiden musst, ob du den Weg des Vorspieltrainings überhaupt gehen möchtest. Es ist völlig legitim, wenn du diese Frage mit Nein beantwortest.

Überlege dir, ob die Vorteile des Vorspielens es dir wert sind, dass du fünf bis zehn grauenvolle Termine in deinen Kalender schreibst, vor denen du dich schon Wochen vorher fürchtest, bevor dir das Vorspielen endlich leichter fällt. Sicherlich musst du das nicht unbedingt genauso empfinden. Aber es soll dich zum Nachdenken bringen, was du bei einem anstehenden Vorspieltermin empfindest.

Verspürst du keinerlei Vorfreude, im Vorfeld nur negativen Stress und im Nachhinein lediglich pure Erleichterung, dass es vorbei ist, die stärker ist als der Stolz, es getan zu haben? Dann rate ich dir ganz klar davon ab, ein Vorspiel für dich zu planen!

Freude am Musizieren

Vorspielen kann deine Freude am Musizieren trüben oder sie dir womöglich sogar vollständig nehmen. Wenn du dich von außen, z. B. von der Musikschule unter Druck gesetzt fühlst oder dich gar selbst zu etwas zwingst, was du eigentlich gar nicht möchtest, dann kannst du dir damit viel verderben. Nämlich deinen Spaß am fröhlichen, entspannten Musizieren.

Du übst nicht, weil du ein Stück können willst, sondern für das Vorspiel können musst. Das erzeugt einen Leistungsdruck, der dich belastet. Dabei ist das Musizieren doch eigentlich dein Hobby, das dir Spaß machen soll!

Meistens haben oder hatten wir in anderen Lebensbereichen, in der Schule, bei einer Ausbildung, beim Studium oder im Beruf genug Druck! Es ist mehr als verständlich, wenn du zumindest dein Hobby von jeglichem Erwartungs‐ und Leistungsdruck freihalten möchtest.

Der Satz „Ich spiele nur für mich“ wird oft negativ bewertet und mit nutzlosem Musizieren gleichgesetzt. Aber nur von jemandem, der nicht weiß, was er bedeutet. Sich selbst mit der eigenen Musik Gutes zu tun ist ein sehr großes Geschenk, das sich viele gar nicht selbst geben können.

Zu fest ist in ihnen verankert, dass alles nur etwas wert ist, wenn man sich mit anderen misst, wenn man sich präsentiert und von anderen Menschen entsprechend gewürdigt wird. Wie bewertest du ein „Ich spiele nur für mich“? Also ich höre den Satz immer wieder gerne und zwar am liebsten, wenn er mit Stolz ausgesprochen wird!

Wenn du mehr Freude ohne Vorspielen hast, dann lass es sein! Und lass dir von niemandem einreden, dass du vorspielen musst, dass Vorspielen von dir erwartet wird, dass du dich rechtfertigen musst, wenn du es nicht tust, und wer weiß, was noch alles.

Vorspielen müssen gibt es für dich als Hobbymusiker nicht! Du musst deinen Musikunterricht wie vereinbart bezahlen. Sonst musst du gar nichts! Mach es mit dem Vorspielen so, wie du dich gut fühlst!

Jeder muss seine eigene Entscheidung treffen

Vielleicht hast du gemerkt, dass die Aspekte für oder gegen das Vorspielen die gleichen sind. So ist das nun einmal. Jeder Aspekt des Vorspielens kann positiv oder negativ ausgelegt werden. Wir sind alle unterschiedlich. Der eine nutzt ein Vorspiel, um sich zu motivieren und mit Enthusiasmus zu üben. Der andere fühlt sich durch das Vorspielen belastet, demotiviert und genervt. Für den einen ist ein perfekt vorgetragenes Stück das oberste Ziel, für den anderen ist es eine spontane Improvisation.

Mach dir klar, welcher Typ du bist und was du möchtest. Mach dich frei von den Erwartungen anderer und gewinne Abstand von deinen eigenen Erwartungen, da diese oft von der Meinung anderer oder durch gesellschaftliche Konventionen beeinflusst sind und daher gar nicht mehr wirklich deine eigenen sind!

Kennst du dich gut genug, um zu wissen, was du möchtest? Selbstverständlich kannst du das Vorspielen auch einfach einmal ausprobieren und dann entscheiden, ob es etwas für dich ist und ob du es wieder machen möchtest! Oder vielleicht passen zu dir besser neue Erlebnisse der anderen Art?

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Kommentare

  1. Interessante Fragestellung.
    Ich selbst habe einige negative Erfahrungen mit diesen Vorspielen gemacht. Ich hatte eine Klavierlehrerin, die ihre Schüler immer überfordert hat, indem sie ihnen viel zu schwere Stücke gegeben hat. Bei den Vorspielen sind dann oft mehrere Vortragende komplett rausgekommen. Das war sowohl für die Schüler als auch die Zuhörer eine Qual.
    Trotzdem kam es für mich nie in Frage, nicht vorzuspielen. Ich finde, es ist ein super Training (jedenfalls wenn man vor hat, irgendwann mal mit seinem Instrument aufzutreten).

    1. Hallo Miriam,
      danke, dass du du von deinen Erfahrungen zum Thema Vorspielen berichtest! Wer später (berufsmäßig) auftreten will, für den ist ein Vorspiel natürlich ein wichtiges Training. Alle anderen sollten sich aber bewusst sein, dass sie in ihrer Entscheidung gänzlich frei sind.

      Liebe Grüße,
      Katharina

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