Meditativ musizieren: Flötenspieler vor Sonnenuntergang
Ein Musikinstrument spielen

Meditatives Musizieren: Entspanne dich!

16. Juli 2017

Ganz bei einer Sache sein, mit allen Sinnen. Alle Alltagsprobleme sind in diesem Moment unwichtig. Wenn du meditierst, konzentrierst du dich auf dich und deinen Körper. Auf das Fühlen im Moment. Du kommst zur Ruhe und machst dich frei von Gedanken. Findest zu dir selbst. Aber was hat Meditieren mit Musizieren zu tun?

Das war mir lange nicht bewusst. Aber vor kurzem habe ich eine Bekannte getroffen, die mit etwa 50 Jahren mit dem Klavierspiel begonnen hat. Sie hat zu mir gesagt, das Klavierspielen sei für sie richtig meditativ, das tue ihr gut.

Nach dem Gespräch habe ich mir gedacht, sie hat Recht! Das habe ich auch schon so empfunden. Ich habe dieses positive Gefühl, durch das Spielen zur Ruhe zu kommen, nur noch nie mit dem Begriff meditativ bezeichnet.

Leider empfinden viele beim Spielen eines Instrumentes immer nur ANspannung statt ENTspannung. Aber es geht auch anders. Du kannst auch meditativ musizieren. In diesem Artikel zeige ich dir, was das bedeutet und wie auch du das schaffst. Wie du dich durch Musizieren entspannen kannst.

Durch entspanntes Musizieren zur Ruhe kommen

Mach die Tür hinter dir zu. Nimm dir ein Stück, das du gut kannst. Oder eine schöne leichte Akkordfolge. Je nachdem, welcher Typ du bist.

Konzentriere dich ganz auf deine Musik. Fehler sind dir egal. Deine volle Aufmerksamkeit ist bei dem, was du spielst. Wie du es spielst. Was du hörst und dabei empfindest.

Vielleicht auch bei deinen Fingerbewegungen. Und bei Blasinstrumenten bei deinem Atem und dem Luftstrom, der deine Töne erzeugt und beeinflusst.

Du bist ganz im Moment. Befreist dich von Gedanken. Kommst zur Ruhe durch dein Spiel. Du schaltest ab von deinem Alltag und begibst dich auf deine ganz persönliche musikalische Reise. Du bist mit allen deinen Sinnen im Hier und Jetzt. Und entspannst dich.

Auswahl von Noten

Nicht jeden berührt ein Stück gleichermaßen. Oder nicht an jedem Tag. Wichtig ist, dass du dich selbst beobachtest und kennenlernst.

Oft eignen sich beruhigende Stücke mit einem gleichmäßigen Rhythmus besonders gut für meditatives Musizieren. Du hörst die Musik regelrecht plätschern wie ein gemächlich fließender Bach. Leicht melancholisch, aber insgesamt doch optimistisch.

Vielleicht wäre das auch etwas für dich? Klavierspielern kann ich dafür die Notenbücher Piano Balance von Hans-Günter Heumann und Easy Pop Preludes von Daniel Hellbach empfehlen. Beide Bücher sind einfach arrangiert und mit CD, durch die du leicht deine persönlichen Favoriten findest.

Wunderschön meditativ sind auch die Kompositionen von Giovanni Allevi, z. B. im Buch Secret Love. Diese sind etwas schwerer zu spielen, als die beiden zuerst genannten Notenbücher. Aber keine Sorge, es muss ja nicht das Originaltempo sein! Du kannst die Stücke ruhig auch deutlich (!) langsamer spielen.

Oder vielleicht magst du lieber improvisieren? Eine Akkordfolge nach dem Schema I-VI-IV-V, d. h. z. B. in C-Dur: C-Am-F-G, eignet sich beispielsweise sehr schön für meditative Melodien.

Wenn es nicht gleich klappt

Dieses entspannende Gefühl kannst du nicht auf Knopfdruck herbeizaubern. Genauso wenig wie du nicht automatisch meditierst, wenn du einen Schneidersitz einnimmst. Aber sobald du dich durch dein Musizieren nur ein bisschen entspannter als zuvor fühlst, hast du etwas gewonnen!

Folgende Punkte kannst du optimieren, um leichter in ein meditatives Musizieren zu finden:

  • Spiele etwas, was dir leicht fällt.
  • Überlege, bei welcher Art von Musik du am besten entspannen kannst.
  • Probiere aus, ob beruhigend „plätschernde“ Stücke etwas für dich sind.
  • Erzwinge nichts. Wenn du anfängst zu spielen und eigentlich eher den Drang verspürst, dich in ein neues Stück einzuarbeiten, dann mach das!
  • Sage dir ganz bewusst, dass es nicht schlimm ist, wenn du etwas falsch spielst.
  • Dir ist auch egal was evtl. mithörende Familienmitglieder oder Nachbarn denken!
  • Denke nicht so viel. Fang einfach an und lass dich darauf ein.
  • Wertschätze entspanntes Musizieren. Sieh es als Erfolg. Es ist eine Investition in dich. In dein Wohlbefinden.

Meditatives, entspanntes Musizieren ist ein Erfolg

Immer höher, immer weiter. Das ist in unserer Gesellschaft sehr präsent. Sicherlich wollen wir uns weiterentwickeln. Erfolgserlebnisse tun uns gut. Geben uns Energie und Motivation. Aber oft ist unsere Definition von Erfolg sehr einfältig und tut uns nicht gut. Höchste Zeit also, dass du Erfolg für dich vielfältiger definierst!

Dazu zwei Beispiele:

Der eine Klavierspieler kann die kompliziertesten Stücke spielen, mit Läufen in rasantem Tempo. Hat bei Jugend musiziert gewonnen. Als Erwachsener hört er auf zu spielen. Er verbindet Klavierspielen mit harter Arbeit. Ohne Anerkennung durch Wettbewerbserfolge wertlos. Um das Niveau zu halten, dafür bräuchte er so viel Zeit, die er nun nicht mehr hat. Oder nicht investieren will, weil er sich entspannenderen Dingen widmen möchte.

Und dann gibt es Menschen wie meine Bekannte. Sie haben erst als Erwachsene angefangen. Haben keine Wettbewerbserfolge vorzuweisen. Können keine komplizierten Stücke spielen. Keine schnellen Läufe auf die Klaviatur bringen. Sie spielen und genießen. Sie empfinden Musizieren als Meditation. Kommen zur Ruhe. Schalten ab und entspannen. Tun sich damit selbst etwas Gutes.

Wer ist nun erfolgreicher? Was ist deine Meinung?

Tja, nach dem reinen Können am Klavier hat der erste Klavierspieler größere Erfolge vorzuweisen. Trotzdem hat meiner Meinung nach derjenige viel mehr gewonnen, der vielleicht objektiv betrachtet schlechter spielt, aber es genießen kann. Sich dabei entspannt.

Falls du bisher nur das objektive Können als Erfolg gesehen hast: Denke einmal darüber nach, ob es sich nicht auch für dich lohnt, entspanntes und genussvolles Spielen deines Musikinstrumentes als Erfolg zu sehen. Tu dir selbst Gutes!

Nimm dir Zeit für entspanntes Musikmachen! Ich wünsche dir viele meditative Momente mit deinem Musikinstrument!

Worauf es zusätzlich ankommt, wenn du langfristige Freude beim Erlernen eines Musikinstrumentes entwickeln möchtest, erfährst du hier. Achte auch auf deine eigene Einstellung zum Musizieren und lass dir auf keinen Fall davon den Spaß verderben!

Wer sich auch für Entspannungstechniken ohne Musikinstrument interessiert, der findet übrigens beim Glücksdetektiv einen schönen Artikel dazu. Über deine Erfahrungen mit meditativem Musizieren freue ich mich im Kommentar oder auf Facebook!

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