Improvisieren lernen mit einem Musikinstrument.
Ein Musikinstrument spielen

Abwechslungsreich improvisieren: Inspirationen für eine gelungene Improvisation

6. September 2018

Improvisieren macht Spaß. Aber dafür brauchst du auch Ideen. Hören sich deine musikalischen Improvisationen immer wieder sehr ähnlich an? Dir fällt nichts wirklich Neues mehr ein? Vielleicht bist du an einem Punkt angelangt, an dem dir neue Ideen fehlen. Hier habe ich einige Tipps und Tricks für dich, mit denen du deine Improvisationen auffrischen kannst.

Improvisation – Musik mit maximaler Freiheit

Herzlichen Glückwunsch, dass du auf meinem Artikel gelandet bist! Denn das heißt, du möchtest dich mit deinem Musikinstrument dem Improvisieren widmen und das ist eine sehr gute Idee. Es macht dich zu einem freieren, flexibleren und letztlich zufriedeneren und glücklicheren Musiker!

Falls du derzeit noch keine weitergehenden Impulse benötigst, aber dennoch improvisieren lernen und weiter üben möchtest, dann empfehle ich dir erst einmal den Artikel Über eine einfache Akkordfolge improvisieren.

Außerdem bekommst du in meinem Artikel Über Variationen spielerisch improvisieren lernen eine Anleitung, wie du ohne Theorie über einen Song improvisierst.

Improvisieren üben und verbessern – Techniken zur Gestaltung

Als bereits geübter Improvisationsanfänger findest du im Folgenden konkrete Spieltipps zum kreativen Gestalten deiner musikalischen Improvisation.

Improvisation mit Auftakt, auf die Eins oder verspätet beginnen

Auf welche Zählzeit beginnst du mit deiner Improvisation?

Es prägt den Charakter eines Stückes maßgeblich, ob die Melodie mit Auftakt beginnt oder nicht. Oder erst verspätet, also erst nach der Eins eines Taktes. Oft zieht sich dieses Merkmal durch das ganze Stück, dass beispielsweise alle Phrasen auftaktig beginnen. Probiere alle drei Varianten aus. Du wirst sehen, dass du damit deiner Improvisation jeweils einen ganz anderen Charakter verleihen kannst.

Verschiedene Taktarten und Rhythmus

Probiere verschiedene Taktarten aus! Gerade Taktarten, aber auch ungerade. Spiele nicht immer nur einen 4/4‑Takt, sondern auch einmal einen 3/4‑, 6/8- oder 12/8‑Takt.

Wenn du die Taktart und damit den Begleitrhythmus wechselst, wird dich das auch zu neuen Improvisationen in der Melodie inspirieren. Wenn dir der Begleitrhythmus einen Tango vorgibt, wirst du dazu automatisch anders spielen, als wenn es Reggae oder Swing ist.

Natürlich kannst du deine Improvisation auch zum Schwingen bringen und gerade Achtel durch Swing-Achtel ersetzen!

Wagemutige Töne beim Improvisieren spielen

Klar, an den Akkordtönen kannst du dich festhalten. Die passen immer. Aber wage dich ruhig auch einmal aus deiner Komfortzone und spiele Töne, von denen du nicht unbedingt denkst, dass sie passen. In vielen Fällen lassen diese sich gut auflösen! Oder du hältst den Ton und wartest auf einen Akkordwechsel, bis der Ton wieder passt. Hier ist vieles möglich!

Wenn du Erfahrungen im Umgang mit wagemutigen Tönen sammelst, nimmst du dir die Angst vor unerwartet unpassenden Tönen. Tatsächlich kannst du in einer Improvisation nahezu jeden Ton unterbringen, wenn du nur auf eine wohlklingende Art und Weise wieder davon wegkommst!

Glaubst du das nicht? Dann probiere aus, was geht und was nicht!

Experimentiere mit unerwarteten Tönen! Du wirst merken, dass du damit tolle Effekte erzeugen und Spannung aufbauen kannst. Probiere unbedingt auch einmal aus, mit dem Wechsel zwischen Dur- und Mollterz zu spielen!

Improvisationen in der Musik lernen: Neue Ideen und Inspirationen

Minimalistisches Improvisieren

Oft meint der Improvisierende, möglichst viele Töne spielen zu müssen. Aber nicht selten ist beim Improvisieren, wie auch anderswo, weniger sogar mehr. Beweise Mut für Pausen und setze diese wirkungsvoll ein!

Es ist eine gute Übung, auch einmal bewusst minimalistische Improvisationsdurchläufe zu starten. Also ausreichend Pausen lassen oder Töne länger aushalten. Oder aber die Melodie wie einen singenden Vogel spielen, der nur ab und zu einmal hineinzwitschert. So merkst du, dass du eigentlich gar nicht viel für eine schöne Improvisation brauchst.

Vorschläge und Triller

Du kannst deine Improvisation schön gestalten, indem du Töne über einen Vorschlag anspielst. Über einen Halb- oder Ganzton von oben oder unten. Denke außerdem daran, dass du Triller spielen kannst. Kurze Triller, die deine Melodie verzieren. Oder aber längere Triller, die für sich stehen und sogar über Akkordwechsel hinweg gespielt werden können.

Triolen

Triolen sind eine super Abwechslung in deinen Improvisationen und können wirkungsvoll Spannung aufbauen. Du kannst für die Triolen verschiedene Notenwerte wählen, beispielsweise Achteltriolen oder Vierteltriolen. So beschleunigst du entweder oder du ziehst die Melodie wie Kaugummi auseinander.

In jedem Fall erzeugst du damit eine spannungsvolle rhythmische Verschiebung. Ich setze sehr gerne Triolen beim Improvisieren ein. Es ist ein einfaches, aber äußerst effektvolles Gestaltungsmittel.

Bekannte Melodiestücke in die Improvisation einbauen

Kurzerhand borgst du dir ein kurzes Stück einer allseits bekannten Melodie und baust es in deine Improvisation ein. Damit bringst du nicht nur dich selbst zum Schmunzeln. Der Wiedererkennungs- und Überraschungseffekt wird auch bei deinen Zuhörern seine Wirkung entfalten!

Wenn dir beim Improvisieren gerade die Melodie eines anderen Songs einfällt, darfst du das gerne zum Ausdruck bringen! So erklingen vielleicht plötzlich ein paar Takte Jingle Bells in deiner Improvisation über einen ganz anderen Song.

Im folgenden Video spielt beispielsweise der Posaunist plötzlich einen kurzen Melodieausschnitt aus Maurice Ravels weltbekanntem Boléro (bei 3:02)!

Improvisation bereichern durch Inspiration anderer Musiker

Beim Improvisieren ist deine ganz persönliche Kreativität gefragt. Dennoch heißt das nicht, dass du dir bei anderen Musikern nicht Ideen und Inspiration holen darfst. Ganz im Gegenteil. Das sollst du sogar! Lass dich inspirieren und nimm gerne alles, was dir ganz besonders gut gefällt, in dein Improvisationsrepertoire auf.

Geniale Licks, Bassgänge, überraschende Rhythmik oder genial schräge Töne. Egal, ob von deinen Mitmusikern, deinem Musiklehrer oder direkt von den besten Musikern dieser Welt. Schau dir von anderen was ab! Denn das bringt dich ein immenses Stück weiter und kann gut und gerne gerade für den entscheidenden Unterschied sorgen, der aus einer soliden Improvisation einen genussvollen Ohrenschmaus in höchstem Maße macht.

Auf welchen Wegen kannst du dir solche wertvolle Inspirationen holen? Es gibt mehrere. Im Folgenden stelle ich sie dir vor.

Improvisationsideen durch Hören

Am einfachsten zu beschaffen sind Ideen aus Songs, die du dir anhörst. Jedenfalls, wenn du sowieso regelmäßig Musik hörst.

Am besten wirst du durch wiederholtes Hören von Songs auf inspirierende Stellen aufmerksam. Wenn du dich in einen Song gut eingehört hast, richtest du deinen Fokus viel mehr auf musikalische Details – hier eine Verzierung, da eine raffinierte Zwischenmelodie oder ein nachahmenswerter Bassgang. Nach und nach bekommst du solche kleinen, aber feinen Gestaltungen gut ins Ohr. Fehlt nur noch das Nachspielen mit deinem Instrument nach deinem Gehör.

Wenn du mehr Musik, vielleicht ganze Alben von einem Künstler hörst, wirst du auch Licks identifizieren können, die für einen Künstler typisch sind. Du wirst merken, dass die Künstler bestimmte Phrasen nicht nur in einem Song, sondern immer und immer wieder anwenden. Wenn du Licks identifizierst, die du einfach klasse findest, dann integriere sie unbedingt in dein Improvisationsrepertoire!

Du kannst solche Improvisationsbausteine gut üben und verinnerlichen, wenn du sie anfangs ganz bewusst in Songs, die du spielst, einbaust. Vielleicht immer an einer bestimmten Stelle eines konkreten Songs. Wenn du das dann oft genug so gespielt hast, hast du diese Improvisationsidee gut im Ohr und auch in deinen Fingern, sodass du sie bald in dein Standardrepertoire integriert hast und ganz automatisch auch in anderen Songs und Improvisationen spielen wirst.

Es ist wie ein neuer Satz, den ein Kind lernt und nachplappert. Oder eine bestimmte sportliche Übung, die Koordination erfordert, du aber nach einigen Wiederholungen ohne Probleme in einen beliebigen Bewegungsablauf einbauen kannst.

Manchmal ist es aber auch ganz schön mühsam, Licks nach Gehör zu identifizieren und nachzuspielen. Ganz besonders, wenn du dich mit Noten sicherer fühlst als beim Spielen nach Gehör.

Trotzdem empfehle ich dir, immer wieder einmal zu versuchen, etwas rauszuhören und nachzuspielen, denn es ist eine wunderbare Übetechnik für das Spielen nach Gehör.

Aber es gibt auch noch einige andere Möglichkeiten, mit denen du dir neue Improvisationsideen beschaffen und erarbeiten kannst.

Improvisieren lernen durch Tutorials bei YouTube oder Musikunterricht

Vielleicht hast du Musikunterricht, machst einen Onlinekurs oder schnappst dir gerne mal ein Videotutorial auf YouTube? Hier kannst du dir Licks und andere Improvisationsideen Schritt für Schritt erklären lassen. Pass aber auf, dass du das Gelernte oft genug wiederholst. Weniger ist mehr. Wichtig ist, dass du die Inhalte wirklich gut einübst.

Noten zum Entdecken und Verinnerlichen von Improvisationen

Dein Improvisationsrepertoire kannst du auch über Notenmaterial mit neuen Spielideen versorgen. Noten lesen und improvisieren – klingt doch irgendwie nach einem Widerspruch, oder?

Nicht unbedingt. Denn wenn du ein Stück oft genug nach Noten gespielt hast, verselbstständigen sich deine Finger irgendwann. Du wirst nicht mehr jede einzelne Note lesen müssen, vielleicht kannst du das Stück oder einzelne Stellen auch schon ganz auswendig.

Die Spielideen aus den Noten verinnerlichen deine Finger und du kannst sie dann auch an anderer Stelle – in deinen Improvisationen – einsetzen. Außerdem erweiterst du deine Hörerfahrung. Bestimmte Rhythmen und Gestaltungsmöglichkeiten (wie oben beschrieben) werden dir geläufig und bereichern deinen musikalischen Hörschatz.

Das geht natürlich auch über bloßes Musikhören. Aufmerksamer, intensiver und nachhaltiger verinnerlichst du die Musik aber, wenn du sie selbst spielst.

Nimm dir also ruhig komponierte Noten. Am besten kreativ ausgestaltete, die auch eine spontane Improvisation sein könnten. Mit inspirierenden Rhythmen in der Melodie, Vorschlägen oder Trillern. Im Bereich der Jazz sind solche Arrangements beispielsweise in Notenheften für Bigband-Musik ausnotiert.

Aus kreativen Arrangements kannst du sehr viel für dein Improvisieren mitnehmen.

Besser improvisieren durch Transkriptionen

Was war zuerst da, Noten oder das gespielte Stück? Tja, manchmal ist die Musik auch vor der Notation da. Um die Improvisation besser nachspielen zu können, wurde sie von anderen nachträglich Note für Note aufgeschrieben.

Solche Transkriptionen sind häufig wahre Goldgruben für Improvisationsideen. Wenn du auf fertige Transkriptionen zurückgreifst, enthüllt sich dir eine kompliziert raffinierte Improvisation eines genialen Künstlers vielleicht schon nach kurzer Zeit.

So einige betörende Soli oder Aufnahmen ganzer Stücke gehen in die Geschichte ein und üben auf zahlreiche Musiker einen großen Reiz aus. Vielleicht auch auf dich?

Pianisten können sich beispielsweise einem transkribierten Pianosolo von Hymn to Freedom des Jazzpianisten Oscar Peterson widmen. Auf der Website von Tenorsaxophonist Adam Roberts gibt es einige Transkriptionen von Saxophonsoli. Begib dich je nach deinem Instrument und gewünschtem Stück oder Solo online auf die Suche. Jedes beliebige Stück kannst du prinzipiell auch transkribieren lassen. 

Im Grunde sind viele Songbooks bekannter Künstler letztlich (vereinfachte) Transkriptionen. Hier kannst du dann so manche geniale Improvisationsidee schwarz auf weiß nachlesen und nachspielen.

Das Studieren und Spielen von Transkriptionen macht dich zu einem besseren Improvisator, also nutze die Chance!

Neue Improvisationsideen ausprobieren

Jetzt hast du einen Fundus an Ideen, die du ausprobieren kannst. Und das solltest du auch tun. Denn Ausprobieren ist beim Improvisieren letztlich das Wichtigste. Nur so kannst du theoretische Ideen später auch intuitiv umsetzen.

Hier findest du eine einfache Akkordfolge, mit der du nach Herzenslust in Endlosschleife das Improvisieren üben kannst. Eine Alternative wäre beispielsweise auch das 12-Takt-Bluesschema. Oder du improvisierst über die Melodie eines Songs, der dir gut gefällt.

Gehe Schritt für Schritt vor und teste. Es kann gut sein, dass nicht alle meine Ideen deinem Geschmack entsprechen. Das ist völlig okay. Such dir raus, was dir gefällt! Wenn auch nur eine Sache dabei ist, die dich beim Improvisieren weiterbringt und vielleicht deine nächste Jam Session bereichert, dann ist das ein großer Gewinn für dich. Und nebenbei bemerkt auch für mich. Denn ich freue mich sehr, wenn ich dir mit meinem Artikel weiterhelfen kann!

Dein Ziel ist es, bei Jam Sessions mitzuspielen? Was du neben Improvisieren dafür üben kannst, erfährst du hier.

Was sind deine Erfahrungen und Tipps, um neu inspirierte Improvisationen zu spielen? Ich freue mich, wenn du mir im Kommentar davon berichtest.

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