Kirchenorgel spielen lernen
Ein Musikinstrument spielen

Orgel lernen: Faszinierende Herausforderungen beim Spielen einer Kirchenorgel

22. Dezember 2017

Hast du Lust, Orgel zu lernen? Sie zu spielen erfordert eine große koordinative Leistung. Gerade das macht das Spielen auf der Orgel aber auch so faszinierend. Hier erfährst du anhand meiner Erfahrungen aus dem Orgelunterricht, welche Herausforderungen das Orgelspielen darstellt und warum es so besonders ist.

Die Pfeifenorgel als „Königin der Instrumente“

Eine Pfeifenorgel wird gerne auch als „Königin der Instrumente“ bezeichnet. Kein Wunder, denn sie kann baulich gigantische Ausmaße erreichen und das ermöglicht ihr eine enorme klangliche Vielfalt.

Orgel spielen über den Spieltisch einer Kirchenorgel.Mit all ihren Pfeifen kann die Orgel viele verschiedene Blas‐ und Streichinstrumente nachahmen. Es können nur wenige oder aber auch ganz viele Pfeifen gleichzeitig gespielt werden. Ganz leise oder festlich laut. Und das alles wird von einer einzigen Person gespielt, die am Spieltisch mit beiden Händen und Füßen voll im Einsatz ist.

Eine Pfeifenorgel kann ganz klein, kaum größer als ein Klavier, gebaut werden. Oder auch richtig groß. Das größte Musikinstrument der Welt ist eine Pfeifenorgel! Sie ist physisch wie auch akustisch eng mit ihrem Raum, meist einer Kirche oder einem Konzertsaal, gelegentlich auch einem Einkaufszentrum, verbunden. Verlassen kann sie ihn in den meisten Fällen nur in Einzelteilen. Diese Ortsgebundenheit mag für Musiker manchmal umständlich sein. Andererseits hat es auch seinen Reiz, das Musikinstrument an ganz besonderen Orten üben zu dürfen.

Im folgenden Video geht es um das größte Instrument der Welt, die Wanamaker Orgel in einem Einkaufszentrum in Philadelphia. Aber keine Sorge, der Spieltisch deiner Orgel wird mit Sicherheit überschaubarer sein!

Registrieren der Orgel

Registerzüge einer KirchenorgelWenn du das erste Mal auf der Orgelbank sitzt, wirst du über die vielen Tasten und Knöpfe staunen. Lass dich davon nicht abschrecken! Du wirst mit der Zeit kennenlernen, welche du wofür brauchst.

Wenn du die Orgel eingeschaltet hast, hörst du, dass die Orgel mit Luft (in der Fachsprache sagt man Wind) versorgt wird. Drückst du aber eine Taste, dann hörst du nichts. Warum? Du hast dem jeweiligen Manual bzw. dem Pedal kein Register zugewiesen.

Durch die Registrierung bestimmst du, welche Pfeifenreihen der Orgel mit Wind versorgt werden sollen. Du musst also erst Register auswählen, bevor du einen Ton spielen kannst. Wenn du dann eine Taste drückst, öffnest du die Ventile an den durch die Registrierung ausgewählten Pfeifen. Ein Ton erklingt!

Registrieren lernen an der OrgelJe nach Registrierung lässt sich auf der Orgel ein schlichtes Flötenensemble oder ein riesiges Orchester nachahmen. Insbesondere wenn die Orgel eine Vielzahl an Registern zur Auswahl bietet, ist es oft gar nicht so einfach, eine passende, ausgewogene Registrierung hinzubekommen. Aber hier darfst du ausprobieren, hören und kennenlernen, was die jeweilige Orgel zu bieten hat.

Im Orgelbau hat es übrigens auch Tradition, irgendwelche Spielereien in die Orgel einzubauen. So verfügt beispielsweise die Orgel der Elbphilharmonie passend zu ihrer Lage am Hafen über Schiffshörner!

Bei vielen Stücken ist es völlig ausreichend oder sogar ratsam, nur wenige Register zu verwenden. Wenn du alle Register ziehst und Tutti spielst, kann es auch schnell lauter werden, als dir lieb ist! Also lass dich von der Vielzahl der Möglichkeiten nicht überfordern, du musst sie nicht (sofort) ausschöpfen.

Reihen von Orgelpfeifen im Inneren einer Kirchenorgel.

Manuale der Orgel

Die Klaviaturen der Orgel werden mit den Händen und Füßen bedient. Wie der Name schon sagt, spielst du mit deinen Händen auf den Manualen (lat. manus: die Hand). Viele Pfeifenorgeln haben zwei, drei oder sogar noch mehr Manuale. Für jedes Manual kannst du eine eigene Registrierung wählen.

Du kannst mit den beiden Händen auf verschiedenen Manualen spielen, um beispielsweise die Melodie von der Begleitung abzuheben. Und du kannst während dem Spiel mit den Händen zwischen den Manualen wechseln, um eine andere Klangfarbe zu bekommen, ohne die Register bedienen zu müssen.

Orgel spielen auf den Manualen einer Pfeifenorgel.

Das Pedal der Orgel

Das Pedal (lat. pes, pedis: der Fuß) wird mit den Füßen gespielt und ist eine besondere Herausforderung. Es ist am Anfang schwer vorstellbar, wie es möglich ist, Töne mit den Füßen zu spielen! Aber gerade das macht das Pedalspiel auch sehr faszinierend. Insbesondere für Klavierspieler, die das Spielen mit den Händen ja schon gewohnt sind.

Orgel spielen mit den Füßen auf dem Pedal.

Das Pedal ist aufgebaut wie die Manuale mit der gewohnten Anordnung der „schwarzen und weißen“ Tasten, auch wenn diese natürlich gerne andersfarbig sein können. Eigentlich ist alles wie gewohnt. Du wirst auch dort unten ein C finden! Die Tasten sind nur etwas größer, damit du sie mit den Füßen drücken kannst.

Das Pedal übernimmt vorwiegend die Bassfunktion und wird deshalb im Bassschlüssel notiert. Lass dich nicht irritieren, dass du beim Pedal im Gegensatz zu den Manualen am rechten, oberen Rand immer noch im Bassschlüssel bist!

Die Tasten des Pedals werden mit dem Fußballen gedrückt. Je weiter außen, desto mehr mit der Innenkante des Fußes. Aber auch die Hacke darf verwendet werden. Durch den Wechsel von Hacke und Ballen kannst du beispielsweise auch mit nur einem Fuß legato spielen. Es ist durchaus hilfreich, sich praktische Fußsätze im Notentext zu notieren.

Soweit so gut. Jetzt musst du mit deinen Füßen nur noch die richtigen Tasten finden. Selbstverständlich ohne zu schauen! Am Anfang gar nicht so einfach! Nach vielen Fehltritten ist es aber eine tolle Erfahrung, dass die Füße es immer besser lernen, die Abstände einzuschätzen. Warum auch nicht? Wenn die Hände es können, wieso sollte es nicht auch mit den Füßen funktionieren?

Das Pedalspiel gehört zum Orgellernen.

Druckpunkt beim Drücken der Orgeltasten

Egal, ob die Orgel als riesiges Orchester oder nur ganz leicht registriert ist: Für den Spieler auf der Orgelbank ist der Kraftaufwand stets derselbe. Wenn du eine Taste so weit nach unten drückst, dass der Druckpunkt überschritten wird, erklingt der Ton. Der Druckpunkt ist der Punkt auf dem Weg der Taste, bei dem das Ventil an der Pfeife geöffnet wird.

Orgel lernen unter Beachtung des Druckpunktes.

Also, liebe Klavierspieler, jede Mühe, mit einem stärkeren Anschlag einen lauteren Ton zu erzeugen, ist hier vergebens! Hier gilt das Prinzip „ganz oder gar nicht“. Entweder drückst du die Taste weit genug, sodass sich das Ventil an der Pfeife öffnet und du einen Ton bekommst. Oder eben nicht.

Musikalische Gestaltungsmöglichkeiten beim Orgelspielen

Aufgrund der beschriebenen Tonerzeugung bei Überschreiten des Druckpunktes sind auf der Orgel keine Betonungen durch Variieren der Anschlagsstärke möglich. So können nicht einmal unterschiedliche Taktzeiten wie die eines 4/4‐Taktes im Gegensatz zu einem 3/4‐Takt akzentuiert werden. Wie aber können auf der Orgel Schwer‐leicht‐Betonungen gespielt werden, die doch so maßgeblich für die musikalische Gestaltung sind?

Du kannst die Töne unterschiedlich lang spielen. Das ist deine einzige Chance, die du deswegen unbedingt nutzen solltest! Lange Töne wirken betont. Töne, die innerhalb ihrer Zählzeit gekürzt gespielt werden, wirken unbetont. Durch den Einsatz von langen und gekürzten Tönen, gezieltem Non‐Legato und ganz bewusst gesetzten Pausen kannst du auch an der Orgel akzentuieren und phrasieren.

Pfeifen einer Kirchenorgel

Koordination als Herausforderung beim Orgellernen

Orgelspieler sind Meister der Koordination. Mit den beiden Händen spielst du auf den Manualen. Mit den Füßen bedienst du das Pedal. Allein das ist anfangs eine große koordinative Herausforderung! Dafür musst du drei Notenzeilen im Blick haben und die unterschiedlichen Stimmen mit Händen und Füßen koordiniert auf die Orgel bringen. Hier ist deine volle Aufmerksamkeit gefragt!

Das Spielen einer Orgel ist eine große koordinative Leistung.

Die Hände können während dem Spiel zwischen den verschiedenen Manualen hin‐ und herwechseln. Und mit einem freien Fuß kannst du nebenbei beispielsweise einen Schwelltritt bedienen. Dadurch öffnest oder schließt du Holzlamellen vor den Pfeifen, was die Lautstärke beeinflusst. Die Öffnungs‐ und Schließgeschwindigkeit ist selbstverständlich maßgeblich für den musikalischen Effekt. Um eine allmähliche Steigerung zu bekommen, solltest du hier keinesfalls ruckartig treten, sondern eher kontinuierlich und ganz behutsam!

Vielleicht bietet deine Orgel dir noch weitere Besonderheiten wie einen Cymbelstern? Diesen kannst du dann bei Bedarf während dem Spiel mit dem Fuß ein‐ und ausschalten. Die erklingenden Glöckchen hören sich wunderschön festlich an und passen besonders gut für Weihnachten.

Registerknöpfe für die Füße an einer Kirchenorgel: Cymbelstern und Tutti

Noten umblättern, Register und Schweller bedienen, Spezialeffekte im richtigen Augenblick zu‐ und ausschalten und gleichzeitig das Spiel mit Händen und Füßen reibungslos weiterlaufen lassen. Das ist eine fortgeschrittene Meisterleistung, die den meisten Zuhörern nicht bewusst ist.

Vielfältiges Orgelspiel mit Jazz und Improvisation

Die meisten Pfeifenorgeln befinden sich in Kirchen zur liturgischen Begleitung von Gottesdiensten. Aber das ist nur ein Teil des Orgelspielens. Die Orgel ist ebenso ein Konzertinstrument. Neben klassischen, barocken oder romantischen Stücken hat hier auch der Jazz seinen festen Platz. An einer Kirchenorgel musst du dich nicht auf typische Kirchenmusik beschränken!

Für Orgeljazz gibt es schöne Kompositionen von Johannes Matthias Michel. Auch für Anfänger, beispielsweise in seiner Orgelschule. Jazz auf der Pfeifenorgel zu spielen ist sehr faszinierend und wunderschön! Damit bringst du nicht nur dich, sondern sicherlich auch andere zufällige Zuhörer in der Kirche zum Lächeln.

Orgel spielen heißt auch improvisieren. Egal, ob für ein kurzes Vorspiel zur Einstimmung auf das nächste Lied oder als freie Improvisation in Endlosschleife, solange die entsprechende gottesdienstliche Handlung eben dauert.

Auch wenn du nicht im Gottesdienst spielst, empfehle ich dir sehr, das Improvisieren an der Orgel auszuprobieren. Du darfst kreativ sein und kannst dich sogar mit deinem Spiel selbst überraschen. Das solltest du dir nicht entgehen lassen!

Spielort Kirche

Pfeifenorgel in einer Kirche lernen.Zum Spielen einer Pfeifenorgel musst du im Normalfall eine Kirche aufsuchen. Damit ist der Aufwand größer, als wenn du dein Instrument bei dir zu Hause spielen kannst. Aber vielleicht genießt du es auch, in einem großen Kirchenraum spielen zu dürfen, der seine ganz eigene, besondere Akustik hat. Es ist ein schönes Erlebnis, in einem historischen Sakralbau zu musizieren.

Bei sommerlicher Hitze vor der Kirche sind die Temperaturen beim Orgelspielen in der Kirche sehr angenehm. Im Winter sind Pulswärmer oder Handschuhe mit freien Fingern sehr empfehlenswert. Und je nach Heizsituation in der Kirche ist ein Organist meist auch sehr dankbar für zusätzliche Wärmequellen an der Orgel. Beispielsweise einen Heizlüfter unter der Orgelbank.

Letztlich sind die Temperaturen aber nur Nebensache. Wenn du wirklich Orgel lernen willst, wirst du dich auch von Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht davon abhalten lassen, Orgel zu spielen.

Orgel lernen mit Unterricht

Wenn du Orgel lernen möchtest, solltest du nicht in eine Musikschule gehen, sondern einen Kirchenmusiker fragen! Organisten sind häufig sehr aufgeschlossene und hilfsbereite Persönlichkeiten, die sich sehr freuen, wenn jemand Orgel lernen möchte.

Orgel spielen ist nicht leicht! Trotzdem möchte ich dich ermutigen, Orgel zu lernen, wenn du Lust darauf hast. Fang langsam an. Es gibt auch einfache Stücke für die Orgel, die wunderschön sind.

Orgel lernen mit Unterricht an einer Pfeifenorgel in der Kirche.

Du wirst ganz deutlich merken, wie sich mit der Zeit deine Koordination verbessert. Am Anfang hast du schon bei den leichtesten Übungen einen Knoten im Kopf, wenn einfach nur deine linke Hand und die Füße zusammen spielen sollen. Aber bald ist das gar nicht mehr das Problem! Du merkst, wie du lernst und wächst und allein das ist eine wunderbare Erfahrung und ein Plädoyer für das Orgelspielen.

Wenn du Fragen oder Anregungen zum Orgellernen hast, schreibe gerne einen Kommentar!

Kommentare

  1. Grüsse Sie. Ich spiele schon seid gut 30 Jahren Orgel. Allerdings fällt mir das üben, heute noch oftmals nicht leicht, es ist oftmals Sehr langatmig, bis man zum Erwünschten Erfolg kommt. Sicherlich spielt auch der Zeitfaktor eine Rolle dabei, wie oft man an einem Werk (stück) übt. Wie übt man zb. Das stück von Bach bwv 664 am besten ein..? Hätten sie da mal einen Guten Tipp..? Danke im vorraus. M.Wunnenberg

    1. Lieber Orgelspieler!

      Vielen Dank für Ihren Kommentar! Prinzipiell ist es beim Einüben eines neuen Stückes sehr empfehlenswert, sich die ausgearbeiteten Finger‐ und Fußsätze in den Noten zu notieren. Das hilft sehr, wenn man das Stück später wieder zur Hand nimmt und weiterüben möchte.

      Wenn die einzelnen Stimmen (rechte Hand/linke Hand/Pedal) klar sind, kann die rechte Hand mit Pedal und die linke Hand mit Pedal geübt werden. Gerade für Klavierspieler ist das Zusammenspiel von linker und rechter Hand meist die einfachste Kombination, aber natürlich kann auch das geübt werden. Im nächsten Schritt werden dann alle Stimmen zusammen gespielt. Ganz langsam und mit Warten, bis einem in Händen und Füßen klar ist, wie es weitergeht.

      Hilfreich ist es auch, sich mit den Augen ganz bewusst auf die mittlere Zeile, also die Stimme der linken Hand, zu konzentrieren, da diese sonst oft zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Außerdem hat man so am besten alle drei Notenzeilen im Blick. Ein schwieriges Stück würde ich immer abschnittsweise üben, also kleine Abschnitte so lange wiederholen, bis sie einem leichter fallen. Und wenn es einen besonders schwierigen Takt gibt, dann eben nur diesen ganz oft wiederholen.

      Aber vielleicht tun Sie das alles bereits. Letztlich braucht das Einüben von Stücken an der Orgel trotz allem sehr viel Zeit, Ausdauer und Geduld, das ist nicht zu bestreiten! Ich wünsche Ihnen trotz aller Mühe, die Ihnen ein neues Stück an der Orgel bereitet, auch Freude daran. Vergessen Sie nicht, immer wieder auch ein einfaches Stück, das Sie gerne mögen, zu spielen.

      Liebe Grüße,
      Katharina

  2. wenn ich schnell Orgel übe — lerne ich schnell die richtigen Töne und genauso schnell die falschen Töne — ich spiele dann immer die richtigen Töne und auch die falschen Töne richtig — ich kann ganz schwer die falschen Töne wieder aus meinem Gedächtnis löschen. Ich finde es ganz doof, langsam zu üben, ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich ein Orgelwerk bei dem ich Fehler georgelt habe, einige Monate beiseite legen kann, dann spiele ich wieder genau die gleichen Falschen Töne, Takt für Takt zu üben — dann zwei Takte — dann drei Takte — die Takte mit falschen Töne — wiederholen — wiederholen — ganz langsam üben, bis der Takt ohne falsche Töne klappt — dann noch ein Takt fehlerfrei, noch eine Zeile fehlerfrei, noch eine Seite fehlerfrei — eine andere Methode ist — wir sind alle nur KOPIERER — die richtigen Töne und die falschen Töne vermischen sich, ich bleibe ganz ruhig, ich akzeptiere einfach daß ich falsche Töne georgelt habe und mache das Beste daraus und improvisiere einfach einige falschen Töne dazu, bis ich wieder die richtigen Töne orgeln kann, mit ein bisschen Übung gelingt das so gekonnt, daß ein Gottesdienstbesucher es gar nicht bemerkt, wenn ich falsch georgelt habe.

    1. Hallo Jochen,
      es ist schön, dass du für dich eine individuelle Lösung gefunden hast! Ein „perfekt“ vorgetragenes Stück ist in der Tat oft nicht die einzige Möglichkeit. Und du beweist auf jeden Fall Können, indem du Fehler geschickt ausbügeln kannst!

      Liebe Grüße,
      Katharina

  3. Moin Moin, ich habe schon lange Lust Orgel zu lernen. Ich habe allerdings wenig Vorerfahrung, was Instrumente angeht. Ich habe als Jugendlicher ein wenig Keyboard gelernt, aber auch nicht viel. Notenlesen kann ich leider noch nicht. Sollte ich trotzdem mit der Orgel anfangen? Häufig liest man, dass man lieber zuerst Klavier lernen sollte, um die Grundlagen zu lernen. Was meinen Sie? Könnte ich direkt mit der Orgel anfangen?

    1. Hallo Dominic,
      wenn Sie Lust auf Orgel haben, würde ich an Ihrer Stelle auch direkt mit der Orgel beginnen. Ein Umweg über das Klavier würde Ihnen vermutlich eher etwas Spaß und Motivation nehmen, weil es gar nicht genau das ist, was Sie eigentlich möchten.

      Auch ich habe schon oft gelesen, dass man Klavier lernen sollte, bevor man sich an die Orgel wagt und habe genau diese Frage dann auch meinem Orgellehrer gestellt. Er sieht das ganz anders und hält es nicht für notwendig, vor der Orgel Klavier zu lernen. Er meinte, Klavierspieler hätten an der Orgel auch nicht nur Vorteile. Man müsse sie in einigen Punkten mühsam umgewöhnen. Beispielsweise müssen sie die Bassfunktion von der bereits eingefahrenen linken Hand nun an die Füße übergeben. Es ist definitiv kein Fehler, sich von Anfang an auf die Orgel einzustellen.

      Alles Gute,
      Katharina

      1. Hallo Katharina,
        Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Eine Frage habe ich noch: Ist das für die Ohren nicht wahnsinnig laut, wenn man am Spieltisch längere Zeit spielt? Der Spieltisch steht ja meistens direkt vor dem Prospekt und so eine Kirchen bzw. Konzertorgel kann ja sehr laut werden bei bestimmten Registerschaltungen. Oder ist es in der Realität gar nicht so übermäßig laut?

        1. Hallo Dominic,

          deutlich lauter sind im Normalfall für den Orgelspieler — im Vergleich zu anderen Besuchern — die Pfeifen, die direkt über dem Spieltisch stehen (sie werden in der Regel als Brustwerk bezeichnet). Hier empfiehlt es sich, etwas vorsichtiger zu registrieren oder die Holzlamellen vor den Pfeifen beim Üben zu schließen, um den Klang zu dämpfen.

          Bei den weiter oben stehenden Pfeifen verteilt sich der Klang gut im Raum. Ein fest eingebautes Instrument wird individuell an seinen Raum angepasst und ist deshalb auch bei stärkeren Registrierungen nicht unangenehm.

          Trotzdem kann es natürlich bei ausdauerndem Üben als etwas dröhnend empfunden werden (und das nicht nur für den Spieler, auch für eventuelle Mithörer!). Deshalb ist es durchaus üblich, beim Üben die Registrierung zurückzufahren.

          Grundsätzlich ist aber jede Orgel mit ihrer individuellen Anordnung der Werke und deren Schwellmöglichkeiten einzeln zu betrachten. In der Elbphilharmonie steht der Spieltisch bei Orgelkonzerten meist unten in der Mitte. Der Organist hat dadurch ausreichend Abstand von den Orgelpfeifen, aber die Plätze direkt vor den Pfeifen werden bei Orgelkonzerten nicht verkauft.

          Liebe Grüße und viel Spaß beim Entdecken der Orgel,
          Katharina

  4. Hallo Katharina,

    ist die Theorie für das Erlernen des Orgelspiels eher komplex, simpel oder kommt es auf den Schüler an, wie dieser die Theorie aufnimmt?
    Ich will wieder regelmäßig den Gottesdienst besuchen, aber irgendwie hab ich immer eine Ausrede.. :$ Weil ich gerne musiziere, dachte ich, ich verbinde beides: Orgelspiel und Gottesdienst. ^^
    Ich hoffe, die Theorie ist nicht allzu komplex! :‘D

    1. Hallo Srećko,

      die Theorie beim Orgelspielen ist nicht schwieriger als bei anderen Musikinstrumenten. Wenn du dich auf das beschränkst, was du tatsächlich zum Spielen brauchst, ist das gut erlernbar.

      Grundsätzlich musst du für dich selbst entscheiden, wie viel Theorie für dich nützlich ist. Wenn du beispielsweise bereits eine gute Hörerfahrung mitbringst, wirst du vieles automatisch richtig machen oder dich durch aufmerksames Hören deines eigenen Spiels gut weiterentwickeln können.

      Für mich ist die größte Herausforderung an der Orgel die Koordination. Vor der Theorie brauchst du keine Angst zu haben!

      Viel Spaß und alles Gute für dein musikalisches Vorhaben!

      Liebe Grüße,
      Katharina

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