Klavier oder Keyboard ohne Noten spielen.
Ein Musikinstrument spielen

Klavier spielen ohne Noten: Was du wissen musst und wie du startest

22. November 2020

Keine Noten zur Hand? Kein Problem! Du möchtest ohne Noten Klavier spielen können? Viele Klavierspieler schauen bewundernd zur großen Kunst des freien Klavierspiels auf. Was genau solltest du lernen, um Klavier ohne Noten zu spielen? Erfahre in diesem Artikel, welche konkreten Fähigkeiten nützlich sind und wie du starten kannst.

Ohne Noten Klavier spielen – Mysterium und Irrtümer

Sich spontan ans Klavier setzen und loslegen. Noten spontan vom Blatt spielen. Oder alternativ ganz ohne Noten Klavier spielen! Letzteres ist für die meisten Menschen das deutlich größere Mysterium. Für dich auch?

Deine Finger spielen, ohne dass du Noten ablesen musst. Das ist eine äußerst faszinierende Fähigkeit. Aber wie kommt ein Klavierspieler dahin, schließlich ohne Noten auf dem Notenpult Klavier spielen zu können? Wie weiß er bloß, welche Tasten er drücken soll?

Häufig ist die Vorstellung vom Spielen ohne Noten ziemlich unkonkret oder sogar falsch. Gerne wird nämlich beispielsweise das auswendige Spielen vollumfassend notierter Stücke mit dem Klavierspielen ohne Noten gleichgesetzt und dadurch mit dem Spielen nach Gehör oder nach Akkorden in einen Topf geworfen.

Es gibt mehrere Gründe, warum ein Pianist spielen kann, ohne dabei Noten zu lesen. Die verschiedenen Varianten des Spielens ohne Noten stelle ich dir in diesem Artikel vor. Bringen wir Licht ins Dunkel!

Was mit Klavierspielen ohne Noten gemeint ist

Klavier oder auch Keyboard spielen ohne Noten. Wenn man es wörtlich nimmt, heißt das, du spielst Klavier, aber währenddessen liest du keine Noten, oder? Das lässt einigen Interpretationsspielraum zu und führt dazu, dass damit völlig unterschiedliche Ansätze des Klavierspielens pauschaliert werden.

Welche Begrifflichkeiten du letztlich verwenden möchtest, bleibt dir überlassen. Wichtig ist aber, dass du weißt, was du für dich darunter verstehst. Also vielleicht denkst du dir, ich möchte ohne Noten Klavier spielen lernen! Dann solltest du wissen, welche Art des Klavierspielens du damit meinst. Nur so wirst du dein Ziel anpacken und in die Tat umsetzen können.

Über die Varianten des Klavierspielens ohne Noten kannst du dir im Folgenden einen Überblick verschaffen.

Klavier spielen ohne Noten, aber auf Notengrundlage

Die Hände des Pianisten fliegen blitzschnell über die Klaviatur. Mehrere Minuten, vielleicht eine Viertelstunde lang. Rasantes Tempo. Alles ohne Noten. Wow!

In der Klassik ist das üblich. Und prinzipiell auch sehr beachtlich. Das möchte ich keinesfalls in Frage stellen. Die Erarbeitung eines derart komplizierten Stückes bis zur Perfektion beansprucht gut und gerne viele Wochen, mehrere Monate, manchmal Jahre!

Aber zurück zu unserem eigentlichen Thema: Ist diese Vortragsart ein Klavierspielen ohne Noten? Wörtlich genommen schon. Der Klavierspieler spielt ohne Noten auf den 88 Tasten der Klaviatur. Er braucht dafür keine Notenblätter.

Aber richtigerweise muss man sagen: Er braucht keine Notenblätter mehr.

Der Pianist hatte nämlich am Anfang Noten. Das Stück hat er sich anhand der Noten erarbeitet und so lange geübt und perfektioniert, bis er die einzelnen Noten als großes Ganzes in seinem Fingergedächtnis verinnerlicht hatte. Er hat das Stück durch vielfaches Wiederholen auswendig gelernt.

Erklärtes Ziel ist nach wie vor, die Notenwerte genau so, wie sie auf dem Papier notiert sind, auf die Klaviatur zu übertragen. Um beispielsweise eine Beethoven-Sonate in der einzigartigen originalen Fassung des genialen Komponisten Ludwig van Beethoven zu Gehör zu bringen. Das ist eine tolle und höchst anspruchsvolle Sache, die ich – das sei nochmals betont – auf gar keinen Fall abwerten möchte.

Aber da hier alles sehr strikt auf einer Notengrundlage basiert, ist es nicht wirklich passend, diese Art des Klavierspiels als Klavier spielen ohne Noten zu bezeichnen.

Klassisch Klavier ohne Notenblätter spielen durch Auswendiglernen.

Falls es aber für dich genau das bedeutet oder bedeutet hat und diese Form des Klavierspielens ohne Noten nach wie vor dein Ziel ist, weißt du jetzt, was du dafür üben musst. Zunächst einmal das Lesen von Noten lernen, dann den Notentext ausgiebig üben, wiederholen und auswendig lernen.

Ich persönlich verstehe unter Klavier spielen ohne Noten etwas anderes. Und darum geht es jetzt.

Akkordsymbole statt Noten

Beim Klavierspielen ohne Noten orientierst du dich nicht an Noten. Klavier spielen ohne Noten darf aber durchaus auf der Grundlage von Notizen passieren. Nämlich über aufgeschriebene Akkordfolgen.

Du liest die Akkordsymbole vom Blatt und spielst auf dem Klavier die entsprechenden Harmonien. Akkordsymbole – das sind Buchstaben- und Zahlenkombinationen wie Fm, A7, Dmaj7 und noch viele mehr. Abkürzungen für Drei- oder Vierklänge, die du auf der Klaviatur greifst.

Mehrere Akkorde bilden eine Akkordfolge. Diese beschreibt den harmonischen Verlauf eines Songs. Dabei hast du große Freiheiten für deine individuelle Gestaltung.

Den Rhythmus wählst du völlig frei nach deinem eigenen Gefühl und Geschmack. In welcher Oktave du die Töne spielst, ob du die Akkordtöne einzeln oder zusammen anschlagen möchtest, ob du Töne weglassen oder hinzufügen möchtest, bleibt dir überlassen.

Als fortgeschrittener Spieler kannst du auch ganze Akkorde austauschen oder welche hinzufügen. Jeder Song lässt sich nicht nur mit einer exakten Akkordfolge umsetzen. Du kannst dir eine Vielzahl von Harmoniefolgen von einfach bis kompliziert überlegen und deine ganz eigene Version des Songs gestalten. Die niedergeschriebenen Akkorde eines Songs sind lediglich ein Angebot, also eine mögliche Version.

Wenn du noch am Anfang stehst, nutze die vorgeschlagenen Akkorde als Anhaltspunkt für die harmonische Gestaltung! Die Akkordfolge ist ein wertvolles Gerüst, an dem du dich festhalten kannst. Davon ausgehend kannst du den Song dann mit deiner Kreativität ausgestalten.

Über Akkorde frei Klavier oder Keyboard spielen lernen.

Ohne Noten oder Notizen, ganz nach Gehör

Aber es geht auch ganz ohne. Ohne Noten und ohne aufgeschriebene Akkordfolge. Du spielst frei nach Gehör. Deine Grundlage ist dann z. B. ein Song, den du im Ohr hast. Oder den du explizit noch intensiv anhörst, damit du ihn ins Ohr bekommst.

Melodie, Harmonien, vielleicht noch ein paar inspirierende Licks. Spiel nach, was du gehört hast! Versuche, die Bässe und die einzelnen Akkorde zu erkennen, um dir so nach und nach die gesamte Akkordfolge zu erarbeiten.

Je nach deinen Fähigkeiten und der Schwierigkeit des Songs geht das vielleicht manchmal ziemlich flüssig oder sogar völlig spontan. Oder du musst dir mehr Zeit nehmen und intensiv knobeln. Oder – ja, am Anfang ist auch das gut möglich – die Sache ist doch eine Nummer zu groß für dich (was aber auch nicht schlimm ist, da du für die meisten Songs ja auch auf die zuvor beschriebene Variante zurückgreifen und dir fertige Akkordfolgen beschaffen kannst!).

Ohne Notenlesen, nach Gehör Piano spielen.

Klavier spielen mit Akkorden und Noten: Die Hybridtechnik

Einen Song mit Noten und gleichzeitig auch ohne Noten auf dem Klavier spielen. Wie bitte? Doch, du hast richtig gelesen. Das geht. Und wird auch häufig praktiziert. Auf dem Klavier hast du ja jede Menge zu tun. Bässe, Harmonien, Melodie, Zwischenmelodien, vielleicht eine zweite Stimme.

Du kannst dir für einen Teil davon Noten zur Hilfe nehmen und den anderen Teil ohne spielen. Sozusagen hybrid.

Leadsheets

Eine sehr übliche Kombination sind Noten für die Melodie und Akkorde für den Rest. Mit solchen Leadsheets hast du im Grunde alles, was du brauchst. Auch wenn du den Song vorher noch nie gehört hast. Einfach genial!

Vielleicht kennst du schon mein Noten-E-Book? Auch hier sind die Stücke als Leadsheets notiert.

Eine Mischung von Akkordbegleitung, Improvisation und Notenlesen ist auch noch anders möglich. Je nach Notation kannst du beispielsweise den Anteil der verwendeten Noten erhöhen!

Weitere Kombinationen aus Noten und Akkorden

Manche Notenbücher bieten dir Songs in einem voll ausnotierten Notensatz für die rechte und linke Hand, außerdem stehen zusätzlich Akkordsymbole dabei. Was für ein Luxus! Jetzt hast du die Wahl, woran du dich zu welchem Anteil orientieren möchtest. Von 100 % Noten bis 100 % frei nach Akkorden ist alles möglich.

Wenn du beide Spielweisen beherrschst, eröffnet dir das ungeahnte Möglichkeiten zur exzellenten Mischung. Von allen Varianten bekommst du hier am meisten Hilfsmittel und Inspirationen, um einen Song ganz fantastisch zum Klingen zu bringen.

Das ist ganz besonders dann hilfreich, wenn die Noten für dich entweder etwas zu schwer sind oder aber viel zu leicht und simpel klingend. Im ersten Fall bezwingst du einen schwierigen Song, indem du dir durch Akkorde eine kompliziert notierte Songbegleitung sparst. Im zweiten Fall verleihst du einem uninspirierenden Arrangement mit deiner Akkordbegleitung einen volleren Klang und eine keck-kreative Gestaltung mit persönlicher Note.

Du kannst die Melodie zum größten Teil nach Noten spielen und gerne um einige Variationen ergänzen. Vielleicht eignen sich die Noten auch für schöne zweistimmige Klänge der rechten Hand, einen auffälligen Bassgang oder andere markante Stellen. Such dir aus den Noten das raus, was du in deine Version des Songs übernehmen möchtest. Oder was für dich gut spielbar ist. Für den Rest nutzt du die angegebenen Akkordsymbole.

Je nach individuellem Bedarf Akkorde und Noten zu mischen, ist ein herausragendes Mittel, das du – wenn ein Notenbuch dir diese Grundlage bietet – unbedingt einsetzen solltest!

Wenn du dich hier ausprobieren möchtest und ein geeignetes Notenbuch suchst, empfehle ich dir Best of Bar Piano, zu finden bei amazon oder notenbuch.de. Es ist von Carsten Gerlitz arrangiert für die rechte und linke Hand, samt Akkordangaben sowie Lyrics für den Gesang (warum du zu deinem Klavierspiel singen solltest, erfährst du hier). Die Arrangements sind nicht zu schwer, aber trotzdem kreativ.

Und wie gesagt, hier kannst du dich an Noten und Akkorden bedienen, wie es dir gefällt! Der Band enthält viele bekannte Songs wie Georgia on my Mind oder Over the Rainbow, die ich seit Jahren immer wieder gerne spiele! Vielleicht ist es ja auch was für dich!

Am Klavier improvisieren

Klavier ohne Noten spielen kann natürlich auch heißen, dass du gar keinen konkreten Song spielen willst. Sondern spontan, was dir gerade einfällt. Improvisieren.

Auf Grundlage einer bestimmten Akkordfolge. Die Melodie improvisierst du dann dazu.

Oder ohne Grundlage. Völlig frei. Auch die Akkordfolge wählst du spontan. Wenn du hier noch nicht so weit fortgeschritten bist, bietet es sich an, sich 3 bis 4 Akkorde rauszusuchen und aus diesen dann eine spontane Abfolge zu spielen. Eine gute Wahl für den Anfang sind Tonika (I), Subdominante (IV) und Dominante (V) in Dur (z. B. C‑Dur: C, F, G7) oder Moll (z. B. C‑Moll: Cm, Fm, G7).

Selbstverständlich sind auch andere Folgen möglich. Aber halte die Anzahl der Akkorde für den Anfang überschaubar. Mit solch einem einfachen Konzept im Hinterkopf kannst du auch als Anfänger gut in diese Variante des Klavierspielens ohne Noten einsteigen.

Klavier selber ohne Noten durch Improvisieren lernen.

Was ist dein Ziel am Klavier?

Wie du siehst, gibt es verschiedene Grundlagen für das Klavierspielen ohne Noten. Dein Traum vom Spielen ohne Noten sollte sich jetzt konkretisiert haben.

Bist du im klassischen Klavierspiel unterwegs und möchtest dir Noten so gut erarbeiten und verinnerlichen, dass du sie nicht mehr brauchst?

Oder möchtest du Popmusik, Jazz oder ganz generell Liedbegleitung mit mehr eigener Gestaltung am Klavier, Keyboard oder an der Orgel lernen? Dann bist du beim Spielen nach Akkordsymbolen, nach Gehör und beim Improvisieren richtig.

Lerne Klavier ohne Noten: Empfehlungen für deinen Start

Wenn du Klavier ohne Noten und auch ohne Notengrundlage spielen möchtest, empfehle ich dir sehr, das Spielen nach Akkorden zu lernen. Hier findest du eine schöne einfache Akkordfolge, die du üben kannst. Oder du beginnst mit dem 12-Takt-Bluesschema.

Wenn du weißt, was die Akkordsymbole bedeuten, wie du die Akkorde auf dem Klavier greifst und wie du eine Akkordfolge musikalisch ausgestaltest, hast du schon ganz viel gewonnen!

Falls du dafür Unterstützung brauchst, lass dir im Klavierunterricht helfen. Auch online gibt es hierzu gute Angebote. Über die Klavierkurse von Daniel Hunziker zu freiem Klavierspiel berichte ich hier. Schau vorbei und mach den nächsten Schritt!

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